Verfilmungen

Am Set von 'Das goldene Ufer' in Prag

Kaum aus Büsum zurückgekehrt, fuhren wir nach Prag zum Set des 'goldenen Ufers'. Der Produzent Andreas Bareiss und die Produktionsfirma TV60 hatten uns auch diesmal eingeladen, einen Tag bei den Dreharbeiten zu verbringen. Daher holten wir am 21.05.2014 unsere Lektorin und Freundin Ingeborg sowie unsere Filmagentin Isabel ab und machten uns auf den Weg. Unsere Vorfreude erhielt jedoch rasch einen Dämpfer, denn schon nach wenigen Kilometern steckten wir im Stau. Als Elmar das Radio einschaltete, um die Staumeldungen zu hören, wurden wir alle blass. Zehn Kilometer weiter hatte es einen Lkw-Unfall gegeben und es hieß, die Aufräumarbeiten würden noch mehrere Stunden dauern.

Zu unserem Glück lag die nächste Ausfahrt nur wenige hundert Meter vor uns. Auf Ingeborgs Rat hin schlängelte Elmar sich mit unserem Beerchen auf die Abbiegerspur und nach einer knappen Stunde lag die Autobahn hinter uns. Wir rollten jedoch und erreichten über mehrere Bundesstraßen und einem Stück der Deggendorfer Autobahn schließlich die Autobahn nach Regensburg.

So, als wolle das Schicksal uns versöhnen, ging es ab da wie am Schnürchen. Kurz hinter der Grenze nach Tschechien legten wir eine kleine Pause ein, bevor es nach Prag weiterging. Kurz vor der Stadt wollten wir unser Navi programmieren, doch das streikte bei den Angaben, die wir erhalten hatten. So blieb uns nur, nach Karte zu fahren. Den Kampf mit den Einbahnstraßen waren wir bereits von unserem letzten Pragbesuch gewohnt, schafften es aber mit einem kleinen Schlenker, unser Hotel zu erreichen.

Nachdem wir unsere Zimmer bezogen hatten, trafen wir uns in der Lobby und suchten den Biergarten auf, der uns 2011 beim Dreh der 'Rache der Wanderhure' so gut gefallen hatte. Mittlerweile hatte sich Andreas Bareiss bei Isabel gemeldet. Er wollte später zu uns stoßen, bezweifelte aber, dass wir im Biergarten einen Platz finden würden. Er hatte jedoch nicht mit Isabels und Ingeborgs Zähigkeit gerechnet. Die beiden kreisten durch den Biergarten, entdeckten einen Tisch, auf dem bereits die Rechnung lag, und stellten sich geschickt in Position, um die Stühle zu besetzen, sobald sie geräumt worden waren. Dies geschah kurze Zeit später und so war der Abend gerettet. Nachdem Andreas Bareiss erschienen war, wurde er intensiv nach dem Verlauf der Dreharbeiten gefragt und konnte nur das Beste berichten.

Es war ein angenehmer Abend, der uns in Gedächtnis bleiben wird. Nach einer etwas kurzen Nacht ging es am nächsten Vormittag nach Dolní Berkovice, wo das Filmteam sein Lager aufgeschlagen hatte. Bereits beim Einfahren in den Ort meldete Isabel ganz aufgeregt, dass sie etliche zum Film passend gekleidete Leute entdeckt hätte. Nachdem wir geparkt hatten und Andreas Bareiss auf leisen Sohlen in den geräumigen Innenhof des früheren Jagdschlosses gefolgt waren, sahen auch wir die Komparsinnen und Statisten, die als adrette Dienstmädchen und Lakaien gekleidet auf ihren Auftritt warteten. Da in einem Teil des Schlosses gedreht wurde, zeigte man uns als Erstes einige Räume, die im Moment nicht zum Dreh benötigt wurden.

Die Ausstatterin Jana Karen hat ganze Arbeit geleistet. Bilder, Kanonenöfen und Mobiliar waren vom Feinsten, ebenso das Geschirr, die Teppiche und viele andere Gegenstände aus der Zeit des Romans. Für uns gab es sogar noch ein Sahnehäubchen obendrauf, denn der Regisseur Christoph Schrewe lud uns in seinen Videoraum ein und wir konnten dort zwei Szenen mit Volker Bruch als Walther und Trystan Pütter als Diebold live am Monitor verfolgen. Wir kannten Volker Bruch ja bereits als den bösen Bruder Ottfried aus der 'Pilgerin'. Doch hier stand ein ganz anderer Mensch vor uns, nämlich Walther wie er leibt und lebt.

Später lernten wir auch Miriam Stein kennen, die die Gisela spielt. So zart, lieb und schön hatten wir sie nicht erwartet. Walther Sittler war als Graf Renitz ganz der Grandseigneur und Ulrike Volkerts ging diesmal nicht auf Gangsterjagd, sondern spielte die Gräfin Elfreda, als sei sie unseren Vorstellungen entsprungen.

Es gab einige angenehme und interessante Gespräche, darunter auch mit Oliver Stritzel, der bereits beim 'Vermächtnis der Wanderhure' mitgespielt hatte. Elmar machte etliche Fotos. Zwar sind Aufnahmen der Schauspieler tabu, aber das Set war aufregend genug und so haben wir einige Bilder für die Galerie unserer Website zusammenbekommen. Es gab auch einige offizielle Fotos der Hauptdarsteller, darunter auch ein paar mit uns. Diese sind für uns eine bleibende Erinnerung an einen wunderschönen Tag, den wir voller Freude erleben durften. Übrigens war das Catering ausgezeichnet. Das wollen wir nicht verschwiegen, auch nicht, dass einige Akteure bis tief in den Abend hinein beim Dreh beschäftigt waren.

Für uns vergingen die Stunden wie im Flug und zuletzt gab es noch ein ganz besonderes Schmankerl. Andreas Bareiss zeigte uns einen Teaser, der für interne Zwecke angefertigt war und fantastisches Kino bot. An der Stelle ein herzliches Dankeschön an Andreas Bareiss für diese Aufnahmen, aber auch für die Einladung nach Prag. Es war einfach wundervoll!

Auf der Rückfahrt von Dolní Berkovice nach Prag testeten wir unser Navi, und da wir diesmal die richtigen Angaben hatten, lenkte es uns genau bis zu unserem Hotel. Es war bereits Abend und so suchten wir umgehend nach einer Möglichkeit zum Abendessen. Dabei bewies Isabel erneut ihre Spürnase, denn es gelang ihr erneut, den einzigen freien Tisch zu ergattern. Auch diesmal gesellte sich Andreas Bareiss zu uns und erklärte im Gespräch, weshalb beim Film einige der im Roman vorkommenden Stellen aus dramaturgischen Gründen gestrichen werden mussten. Wir hatten es nicht anders erwartet, denn ein Film gehorcht nun einmal anderen Regeln als ein Roman. Im Roman können wir viele Entwicklungen aufzeigen und die Leser auch an den Gedanken der Protagonisten teilhaben lassen. Diese Möglichkeit gibt es im Film nicht. Daher muss eine Geschichte ganz anders aufbereitet werden. Wichtig ist, dass am Ende ein Film entsteht, der die Zuschauer begeistert und mitnimmt. So wie bei einem Roman der Autor die Verantwortung trägt, sind es beim Film die Drehbuchschreiber und vor allem der Regisseur. Sie müssen für dieses Werk stehen.

Daher freuen wir uns riesig, dass Andreas Bareiss und sein erprobtes Team von TV60 sich des 'goldenen Ufers' angenommen haben. Es wird mit Sicherheit ein wunderschöner Film!

Der Abend dauerte lange und die Unterhaltung drehte sich um viele Dinge. Es war schön und angenehm, und als wir am nächsten Tag Prag verließen, lagen, wie Ingeborg es so treffend nannte, zwei herrliche Tage hinter uns.

Iny und Elmar Lorentz