Reisen & Recherchen

Die Recherchereise in Süditalien

Burgen, Kathedralen, Sonne und Meer


Romane werfen oft lange ihre Schatten voraus. So erfolgte die Recherchereise für den Roman 'Flammen des Himmels', der im Herbst 2013 erscheint, bereits im Jahr 2009. Für das Jahr 2012 hatten wir uns eine Recherchereise nach Süditalien vorgenommen, mussten diese jedoch aufgrund widriger Umstände verschieben. Am 04.05.2013 war es dann endlich so weit. Unser Wohnwagen war gepackt, der Dicke beladen und wir brachen gemeinsam mit unserer Agenturlektorin Ingeborg nach Süden auf. Ingeborg ist nicht nur eine unverzichtbare Beraterin für uns, sondern vereinigte auf dieser Reise auch die Jobs einer Reiseführerin und Übersetzerin auf sich. Sie hatte einige Jahre in Italien gelebt und kannte Apulien und Kampanien aus eigener Erfahrung. Außerdem sprach sie Italienisch, auch wenn gewisse Irritationen auf Grund lokaler Dialektausdrücke nicht ausblieben.

Wir hatten zugegebenermaßen ein wenig Sorge, denn bei früheren gemeinsamen Recherchereisen mit Ingeborg haben wir fast immer in Hotels übernachtet. Waren wir wirklich einmal mit dem Wohnwagen gefahren, hatten wir für sie ein Pensionszimmer gebucht. Diesmal aber musste auch sie mit auf den Campingplatz übernachten, und zwar in einem 'Casa Mobile'. Wir waren und jedoch nicht sicher, ob es ihr darin gefallen würde.

Die Fahrt selbst ging über elfhundert Kilometer und die sind mit einem Wohnwagen am Haken ein arger Schlauch. Wir hatten zwei Tage dafür veranschlagt, immer mit genug Pausen, damit die Fahrt auch erträglich wurde. Als wir die erste dieser Pausen in Italien einlegten, setzten wir uns an den Picknickplatz, um eine Kleinigkeit zu essen. Da erklang auf einmal der Ruf "Das gibt's doch nicht!"

Als wir uns umdrehten, stand Günter vor uns, einer unserer Trauzeugen. Er war mit einer Gruppe unterwegs, die eine Radtour durch die Dolomiten machen wollte. Es gab natürlich ein großes Hallo, denn die Chance, einander zu einer bestimmten Zeit auf einem Rastplatz an einer italienischen Autobahn zu treffen, ist etwa so groß wie ein Hauptgewinn im Lotto. Wir unterhielten uns mit Günter und dessen Lebensgefährtin, bis ihr Busfahrer durch ein kräftiges Hupsignal deutlich machte, dass er weiterfahren wollte. Es folgte ein kurzer, aber fröhlicher Abschied und nach einer Weile brachen auch wir auf.

Italien ist ein langer Stiefel, und so hatten wir einiges zu fahren, um fast ganz nach Süden zu kommen. Elmar hatte sich eine gewisse Strecke vorgenommen, die wir am ersten Tag hinter uns bringen sollten. Wir schafften es nicht ganz, weil uns eine ausgezeichnete Raststätte unterkam. Dort tranken wir kurz vor Mitternacht noch eine Kleinigkeit und legten dann eine kleine Schlafpause ein. Elmar hatte Ingeborg sein Bett zur Verfügung gestellt und schlief selbst im Dicken. Gewisse Opfer muss man nun einmal bringen, wenn man eine campingungewohnte Dame mit in die Fremde verschleppt.



Am nächsten Morgen ging es nach einem Frühstück im Rasthaus weiter. Auch an diesem Tag legten wir etliche Pausen ein. Elmar sprach unterwegs davon, dass er um 16:00 Uhr beim Campingplatz sein wolle. Ingeborg amüsierte sich ein wenig über diese Zeitangabe, wunderte sich dann aber ziemlich, als Elmar das Gespann um Punkt 15:59 Uhr vor dem 'Camping Lido Salpi' bei Manfredonia anhielt. Wenig später hatte sie ihre 'Casa Mobile' bezogen und wir den Wohnwagen daneben aufgestellt. Zu unserer Freude war sie mit ihrer Unterkunft sehr zufrieden. Sie hatte in dem Wohncontainer genug Platz sowie Toilette, Dusche und eine kleine Küche. Sehr schön war auch die Terrasse, die zu ihrer 'Casa Mobile' gehörte. Wir haben täglich zu Abend gegessen und uns lange unterhalten. Das Meer war nur ein paar Schritte entfernt und besaß einen herrlichen Sandstrand, der Ingeborg am meisten faszinierte, konnte sie an ihm doch ihre gewohnten Morgenspaziergänge machen.

Allerdings waren wir nicht auf Urlaub hier, sondern auf Recherche, und dies hieß bereits am Montag, den 06.05.2013, in den Dicken zu steigen und loszufahren. Zunächst war die süditalienische Sitte, von 13:00 bis 17:00 Uhr alles einschließlich der Kirchen zuzusperren, für uns ungewohnt, aber wir richteten uns rasch darauf ein. Eigentlich hatten wir an einem Teil der Tage am Vormittag schreiben und am Nachmittag auf Besichtigung fahren wollen, doch nun stülpten wir unsere Planung um und brachen für längere Fahrten gleich nach dem Frühstück auf, um bis 13:00 Uhr so viel wie möglich zu erkunden. Danach aßen wir etwas und besichtigten verschiedene Innenstädte und andere Stellen, die nicht abgeschlossen waren. Da in diesen Nachmittagsstunden wenig los war, konnten wir uns in aller Ruhe umsehen und den Rest der Zeit bis 17:00 Uhr bei einem Kaffee in einem Caf verbringen. Danach gab es noch die eine oder andere Besichtigung, bis wir wieder den Heimweg zum 'Camping Lido Salpi' antraten. Geschrieben haben wir zumeist erst nach dem Abendessen.

Es kamen bei diesen Fahrten etliche Kilometer zusammen und die Stellen, die wir uns ansahen, reihten sich wie die Perlen an einer Schnur aneinander. Manches empfanden wir eher als skurril. Wenn wir in der Früh unterwegs waren, waren wir oft die einzigen Besucher am jeweiligen Ort, so im Castello von Manfredonia, im Amphitheater von Lucera oder auch in der dortigen Festung. Die Fahrt nach Lucera nutzten wir auch zu einem Abstecher zum Castel Fiorentino aus, den Resten der Burg, in der der Stauferkaiser Friedrich II. gestorben ist. Es war einer der wenigen Orte in dieser Gegend, an dem Ingeborg vorher noch nie gewesen war. Entsprechend groß war daher ihr Interesse, diese Burg anzuschauen. Als sie den schmalen, unbefestigten Feldweg sah, der von einer nachrangigen Nebenstraße dorthin führte, schlug sie entgeistert vor, die Besichtigung sein zu lassen und sich mit dem Blick auf die Ruinen oben auf dem Hügel zu begnügen.

Iny meinte, dass Elmar in seiner Jugend schon öfters solche Feldwege mit seinem Auto gefahren wäre und er unseren Dicken nach oben bringen würde. So geschah es auch, auch wenn Ingeborg hinterher meinte, ihr wäre während der Fahrt doch ein wenig mulmig geworden. Der Anblick der Festungsreste entschädigte sie jedoch voll und ganz. Viel ist von der Burg nicht mehr übrig geblieben, ein Teil des Eingangstores, am anderen Ende die Grundmauern des einstigen Herrenhauses und einige vor Kurzem ausgegrabene Mauerreste. Uns überkam ein eigenartiges Gefühl, denn hier sah man so richtig, wie Dinge zu Staub zerfallen, die einst für die Ewigkeit gedacht gewesen waren. Vom Staunen der Welt, wie Friedrich II. einst genannt worden war, kündete außer den Mauerresten nur noch eine Stele mit einer Aufschrift in Italienisch, Latein und Deutsch, die von der Staufer-Gesellschaft vor einigen Jahren hier aufgestellt worden war.

Natürlich gehörte auch das Castell del Monte zu unserem Besichtigungsprogramm. Wie auch an anderen Orten fanden wir hier einige ins Deutsche übersetzte Sachbücher über die Staufer in Italien, die in Deutschland nicht zu haben sind. Auch in der Hinsicht haben sich unsere Fahrten gelohnt.




Unterwegs zu unseren Hauptzielen entdeckten wir einige besondere Perlen, wie das kleine Bergstädtchen Bovino, bei dem einst schon Hannibal mit seinem Heer gelagert hatte, oder die Kirche Santa Maria Maggiore di Siponto, die in römischer Zeit als Dianatempel erbaut und später durch einen Anbau in eine christliche Basilika verwandelt worden war. Bei dem großen Erdbeben im 13. Jahrhundert, in dem Siponto zerstört wurde, war der christliche Anbau ebenfalls eingestürzt und nur der alte Tempel stehen geblieben. Er wird auch heute noch als Kirche benützt.

Wir waren ein wenig traurig, als wir aus Apulien scheiden mussten, denn es war dort wunderschön gewesen. Es galt jedoch, den italienischen Stiefel zu durchqueren, um noch ein paar andere Plätze anzusehen. Der Aufenthalt in Kampanien war kürzer geplant, als der in Apulien, weil unser Programm dafür weniger Punkte aufwies. Da wir nun in den Beginn der Pfingstferien gerieten, füllte sich der Campingplatz in Pozzuoli immer mehr und so hatten wir nichts dagegen, als wir den letzten Eintrag auf unserer Liste abhaken und den Heimweg antreten konnten. Unsere Speicher waren mit Eindrücken gefüllt und aus diesen formten sich bereits Skizzen und Szenen, obwohl es noch einige Zeit dauern wird, bis wir diesen Roman beginnen können. Insgesamt war es eine schöne, interessante und informative Recherchereise mit vollem Programm. Ein paar Tage der Entspannung wären schön gewesen, doch man kann nichts alles haben.

Die Rückfahrt ging ebenfalls fast problemlos vonstatten. Allerdings kamen wir ziemlich geschlaucht zu Hause an und fühlten uns beinahe wie an den Nordpol versetzt. Auch wenn es im Süden nicht ganz so warm war, wie sonst im Mai, so fehlen uns hier doch mehr als zehn Grad zu den dortigen Temperaturen. Erfreulich war jedoch, dass 'Das goldene Ufer' einen ausgezeichneten Einstand hatte und bei der Bestsellerliste nach Harenberg bis auf Platz 3 und bei der Media-Controll-Liste bis auf Platz 2 gekommen ist.

Unser Dank gilt unserer Begleiterin Ingeborg, die uns nicht nur toll beraten, sondern mit ihren Italienischkenntnissen sehr geholfen hat. Ohne sie hätten wir diese Fahrt nicht so erfolgreich abschließen können.

Iny und Elmar Lorentz